Wirtschaftsforscher Hüther warnt: „Deutscher Export leidet unter chaotischer Politik in London, Rom und Washington“

SPECTARIS empfängt IW-Chef als Keynote-Speaker / Auch für SPECTARIS-Branchen wird es schwieriger, die bisherigen Wirtschaftsprognosen zu erreichen

„Vor dem Hintergrund der zunehmenden wirtschaftspolitischen Spannungen zwischen den USA und China und der konjunkturellen Eintrübung der Weltwirtschaft wird es schwerer, unsere bisherigen Wirtschaftsprognosen zu erreichen“, erklärt SPECTARIS-Vorsitzender Josef May anlässlich der morgigen (12.9.) Mitgliederversammlung des Industrieverbandes. Zum Jahresbeginn prognostizierte der Verband für 2019 noch einen ähnlich hohen Zuwachs wie 2018, also fast vier Prozent für die Hersteller von Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik. Nun hofft SPECTARIS auf ein leichtes Plus, mindestens aber auf eine schwarze Null.  

Gründe für die leichte Eintrübung der Geschäftserwartung nennt Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). „Die exportorientierte deutsche Industrie leidet zunehmend unter der chaotischen Politik in London, Rom und Washington. Die globalen politischen Risiken wirken sich auf den deutschen Außenhandel durch“, betont der diesjährige Keynote-Speaker für den Jahresempfang des Hightech-Industrieverbandes.

Bei einer Exportquote von 64 Prozent spielt das Auslandsgeschäft für die SPECTARIS-Branchen naturgemäß eine wichtige Rolle. Rund ein Viertel der Exporte gehen in die Hauptmärkte USA und China. Konsequenzen aus dem Handelskonflikt beider Länder sind daher zu erwarten Aber: „Die Unternehmen der Industrie für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik sind innovativ, wettbewerbsfähig und bedienen viele Zukunftsmärkte. Daher sind unsere Branchen in der Regel krisenresistenter als andere“, gibt sich May leicht optimistisch angesichts der positiven Markttreiber.

Der Verband blickt derzeit mit Spannung auf einige wichtige aktuelle Trendindikatoren, die auf eine mögliche Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik in den SPECTARIS-Branchen insbesondere in der zweiten Jahreshälfte hindeuten. So lag der entsprechende Wert des amtlichen Produktionsindex des Statistischen Bundesamtes im ersten Halbjahr 2019 lediglich unverändert auf dem Vorjahresniveau – im gleichen Zeitraum 2018 konnte noch ein Plus von vier Prozent verzeichnet werden. Grund dafür war ein Rückgang im Berichtsmonat Juni um elf Prozent, der nicht alleine durch eine geringere Anzahl von Arbeitstagen zu erklären ist. Daneben zeigen die relevanten Geschäftsklimaindices des ifo-Instituts derzeit eine starke Verschlechterung.

May: „Klar ist: Sollte sich die Konjunktur weiter verschlechtern, wird das auch nicht spurlos an unseren Branchen vorbeigehen. Die Umsatzschwankungen in der Augenoptik und Medizintechnik sind dabei in vergleichbaren früheren Situationen eher schwächer ausgefallen und zeitverzögert aufgetreten als etwa in der Photonik oder Analysentechnik. Aber alle Branchen haben sich dadurch ausgezeichnet, dass sie bei Krisen schnell auf den Wachstumspfad zurückgekehrt sind.“

Die Augenoptik, die mit 20.500 Mitarbeitern 2018 einen Umsatz von rund 4,5 Milliarden Euro erzielte, profitiert vom demographischen Wandel und der Etablierung der Brille als Life Style-Produkt. Die Photonik liefert unverzichtbare Basistechnologien und Lösungen für die Digitalisierung. 37 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete dieser Wirtschaftszweig im vergangenen Jahr, rund 138.000 Menschen waren in dieser Branche beschäftigt. Die Analysentechnik, die unter anderem im Wachstumsmarkt Life Sciences Anwendung findet, konnte 2018 um fast 7 Prozent wachsen. Der Umsatz liegt inzwischen bei 9,3 Milliarden Euro, die Anzahl der Mitarbeiter bei 47.000. Die Medizintechnik profitiert vom Megatrend Gesundheit und von Investitionen vieler Schwellenländer in den Ausbau ihrer Gesundheitsversorgung. 2018 konnte die Industrie mit ihren 143.000 Beschäftigten erstmals die Marke von 30 Milliarden Euro überschreiten.