Zweiter Tag im Skiurlaub, halb elf, die Sonne steht über der Piste. Der Schnee wirft sie zurück, als hätte er nichts anderes vor. Am Nachmittag zieht es zu und dieselbe Brille, die morgens perfekt war, macht aus der Buckelpiste eine milchige Fläche ohne Anfang und Ende.
„Sportbrille“ ist ein Sammelbegriff für Geräte, die außer dem Wort kaum etwas gemeinsam haben. Was eine davon leisten muss, bestimmt die Sportart.
Was jede muss
Drei Dinge gelten überall. Sie muss schützen: vor Strahlung, Fahrtwind oder dem, was geflogen kommt. Daher gilt für alle Outdoorsportarten eine UV-Schutz-Empfehlung von 100 % (UV 400). Sie muss halten, auch nach zwei Stunden Schweiß und einem Sturz. Und sie darf nicht selbst zur Verletzung werden. Deshalb sitzt in einer Sportbrille Polycarbonat oder Trivex und kein mineralisches Glas. Der Rest ist Spezialistentum.
Gut zu wissen: Von der Abfahrtskibrille bis zur Zirkussaltovariante gibt es heute nahezu jede Brillenart mit individueller Verglasung bzw. mit Korrektureinsatz. Bei Unter-Wasser-Brillen sogar im Baukastensystem für unterschiedliche Sehstärken pro Auge.
Die Skibrille
Pro 1.000 Höhenmeter nimmt die UV-Strahlung um etwa zehn Prozent zu und frischer Schnee reflektiert bis zu 85 Prozent davon. Das Auge bekommt die Dosis also zweimal, von oben und von unten. Die passende Tönung ist daher – neben 100% UVA-/UVB-Schutz – unabdingbar. Sie wird in Filterkategorien angegeben, von 0 bis 4. Kategorie 2 reicht für Mitteleuropa auf Meereshöhe, Kategorie 3 ist der übliche Wert für Berg und Schnee, Kategorie 4 gehört auf den Gletscher und ist im Straßenverkehr nicht zulässig.
Für den richtigen Kontrast in der Schneelandschaft sorgt die Farbe der Gläser. Orange, Rosé und Kupfer heben die Struktur im Schnee an und sind daher die Empfehlung für bewölkte Tage, bei gleißendem Sonnenlicht ist Braun angesagt.
Von polarisierenden Scheiben raten viele Skifahrer ab, weil sie ausgerechnet die Spiegelung schlucken, an der man vereiste Stellen erkennt.
Gegen Beschlag arbeitet die Doppelscheibe mit Luftpolster, plus Belüftung und eine Beschichtung auf der Innenseite. Diese Beschichtung überlebt genau einen beherzten Wisch mit dem Handschuh. Innenseite daher nur trocknen lassen, nie reiben.
Für alpine Skibrillen gilt die DIN EN 174.
Die Tauch- und Schnorchelmaske
Das Sichtfeld muss aus gehärtetem Sicherheitsglas bestehen, erkennbar am Aufdruck „Tempered“ oder „T“. Was am Strandkiosk ohne diese Kennzeichnung hängt, ist Spielzeug.
Zwischen Auge und Wasser liegt ein Luftraum, und an dieser Grenzfläche wird das Licht gebrochen. Alles erscheint rund ein Drittel größer und ein Viertel näher, als es ist. Der Fisch, von dem Sie zu Hause erzählen, war also wirklich größer. Um genau 33 Prozent.
Kontaktlinsen unter Wasser sind heikel, weil sie beim Ausblasen der Maske verloren gehen können. Formstabile Linsen vertragen die Druckänderung ohnehin schlecht.
Praktisch ist außerdem ein kleines Innenvolumen, weil sich die Maske dann leichter leerblasen lässt, und ein weicher Nasenerker, damit der Druckausgleich funktioniert.
Die DIN EN 16805 regelt Tauchmasken.
Die Schwimmbrille
Chloriertes Wasser reizt die Bindehaut, das ist der eigentliche Anlass. Eine Schwimmbrille muss über den Unterdruck der Dichtung halten, nicht über die Spannung des Bandes. Wer sie festzurrt, bis sie sitzt, trägt den Rest des Tages zwei rote Ringe im Gesicht und hat sie trotzdem falsch eingestellt.
Als Antibeschlagoption ist „Swipe“ die 1. Wahl, denn hier ist mit einem Fingerwisch wieder freie Sicht. Andere Modelle nur ausspülen und trocknen lassen, damit die Beschichtung nicht zerkratzt.
Die Brille für Rad, Lauf, Trail
Lauf- und Fahrtwind trocknet den Tränenfilm aus, dazu kommen Insekten, Staub und Steinschlag vom Vordermann. Deshalb ist die gebogene Brillen-Form ein Must-have. Die Biegung hat allerdings zur Folge, dass die Werte aus dem Brillenpass nicht einfach übernommen werden können. Sie müssen für die Position und den Neigungswinkel des Glases umgerechnet werden.
Selbsttönende Gläser, die auf UV reagieren, sparen den Wechsel. Wichtig zu wissen: bei Kälte tönen sie stärker und hellen langsamer auf.
Polarisierende Gläser können hilfreich sein, wenn Spiegelungen auf nassem Asphalt entstehen. Doch dann steht vorab die Frage, ob man bei dem Wetter überhaupt vor die Tür gehen sollte oder ob die Lesebrille reicht.
Die Ballsport-Brille
Squash, Badminton, Handball, Basketball. Ein Squashball hat rund 40 Millimeter Durchmesser und passt damit exakt in die Augenhöhle, wo der Knochen nichts mehr abfängt. Schutzbrillen nach DIN EN 166, künftig EN ISO 16321, tragen einen Buchstaben für die Stoßfestigkeit: F steht für 45 m/s, B für 120 m/s, A für 190 m/s. Für Rückschlagspiele ist F das Minimum. Eine normale Korrektionsbrille mit Metallrand ist im Zweikampf keine Option, sie ist ein zusätzliches Risiko.
Für Schulkinder gibt es übrigens FITTI, die eine für jedes Fach, ob Mathe oder Sport. Sie ist nach DIN 58184 geprüft für Freizeit und Schulsport und garantiert Bruchsicherheit, Flexibilität und optimalen Halt.
Foto: Wir haben die Hilfe von KI zur Erstellung des Fotos genutzt.

