Märchenstunde! Was ist dran an den Augen-Märchen?

Lesen im Dunkeln verdirbt die Augen

Ist da was dran? Ein bisschen! Bei wenig Licht öffnet sich die Pupille des Auges. Bei weiter Pupille ist wiederum – genau wie bei einer Kamera – die Tiefenschärfe sehr gering, das heißt, es wird nur ein kleiner Bereich scharf dargestellt. Deshalb müssen die Muskeln rund um die Linse sehr präzise arbeiten, damit der Text im Buch scharf auf der Netzhaut abgebildet wird. Bei Erwachsenen ist das zwar anstrengend, aber unproblematisch. Bei Kindern kann es jedoch dazu kommen, dass das Auge versucht, sich dauerhaft auf die kurze Lesedistanz einzustellen. Es wächst in die Länge und wird dadurch kurzsichtig. Das passiert aber nur, wenn man wirklich noch sehr jung ist und alle Harry Potter-Bände mit der Taschenlampe unter der Bettdecke verschlingt. Alle anderen, die bei Schummerlicht schlechter sehen, haben sowieso schon einen kleinen Sehfehler, der im Halbdunkel besonders stark spürbar wird.

„Setz dich nicht so nah vor den Fernseher – du bekommst noch viereckige Augen!“

Nicht so, aber anders! Wer in den 80er und 90er Jahren aufgewachsen ist, kennt diese Warnungen von Mutter, Vater, Tanten und Onkeln auf jeden Fall. Dass Augen von zu vielem fernsehen oder zu nahem vor der „Flimmerkiste“ sitzen eckig werden, wurde bis heute noch nicht beobachtet. Die Angst der Erwachsenen war also unbegründet? Nicht ganz, denn es ist wissenschaftlich belegt, dass Kurzsichtigkeit durch zu langes und/oder zu nahes Sitzen vor dem Bildschirm begünstigt bzw. verstärkt wird. Also empfiehlt es sich doch ein wenig Abstand zum Bildschirm zu halten.

Brille tragen macht die Augen faul

Quatsch! Eine Brille zu tragen macht die Augen schlechter… das hört man oft. Laut dieser Aussage macht das Brilletragen die Augen faul und dadurch verschlechtert sich die Sehkraft (ohne Brille). Das ist wirklich ein sehr hartnäckiges Seh-Märchen. Die klare Antwort lautet hier aber: Nein, eine Brille hat keinerlei Einfluss auf die Sehfähigkeit eines Menschen. Weder werden die Augen dadurch schlechter noch besser. Es ist auch egal, welche Art von Fehlsichtigkeit (Weitsichtigkeit oder Kurzsichtigkeit) vorliegt. Die Augen ruhen sich nicht mit der Sehhilfe aus und sie verschlechtern sich dadurch nicht schneller als ohne Brille.Dass sich die Brillenstärke im Laufe der Zeit verändert, ist bei bestimmten Sehproblemen normal. Dieser Effekt wird von der Brille weder ausgelöst noch beeinflusst. Die Kurzsichtigkeit entsteht z. B. meistens in der Schulzeit, während der Wachstumsphase. Die Alterssichtigkeit entsteht ab ca. 45 Jahren, weil die Augenlinse ihre jugendliche Elastizität verliert. Beides – das Wachstum der Augen und das steifer werden der Linse – wird durch eine Brille nicht beeinflusst.

Keine Brille tragen macht die Augen wieder fit

Genauso Quatsch! Wenn man als Brillenträger ohne Brille herumläuft, sieht man schlechter – aber man gewöhnt sich ein wenig daran, denn das Gehirn lernt, mit der Unschärfe umzugehen. Die schlechtere Sehschärfe genügt meistens nicht mehr zum Autofahren – aber für viele Hausarbeiten reicht sie. Es ist nicht schlimm, wenn man die Brille mal weglässt, und sich für diese Zeit mit dem schlechteren Sehen zufriedengibt. Das schadet dem Auge nicht. Aber es nützt auch nichts, denn auch durch das Weglassen der Brille wird das Auge nicht schlechter oder besser.

Kurzsichtigkeit lässt sich wegtrainieren

Leider nicht! Im Fitness-Zeitalter liegt der Gedanke nahe, dass man mit Training nicht nur den Körper, sondern auch die Augen trainieren kann. Das stimmt aber nicht. Mit Augentraining kann man die Muskelkraft oder die Beweglichkeit verbessern. Durch Muskeltraining kann man aber z. B. die Kurzsichtigkeit nicht verringern, denn sie entsteht nicht durch zu schwache Augenmuskeln sondern dadurch, dass das Auge in der Schulzeit zu lang gewachsen ist. Genauso, wie man durch Training seine Schuhgröße nicht verkleinern kann, kann man durch Training auch die Größe der Augen nicht verkleinern. Es gibt allerdings die Möglichkeit, müde Augen durch Augenübungen wieder etwas fitter zu machen und durch Müdigkeit verursachte Sehstörungen zu reduzieren. Denn gerade beim langen Arbeiten am Computerbildschirm kann die Sicht schon einmal unscharf und verschwommen werden.

Möglichst spät mit einer Brille beginnen, fördert die Sehfähigkeit

Nein! Kleine Kinder müssen das Sehen in den ersten Lebensjahren erst erlernen. Bei Kindern, die z. B. kurzsichtig oder weitsichtig sind, bewirkt eine Brille, dass sich die Sehleistung des Auges voll ausbildet. Aus diesem Grund müssen fehlsichtige Kinder dem Augenarzt so früh wie möglich vorgestellt werden und die Brille regelmäßig tragen.

Quelle: seh-check.de (Textauszüge), pixabay.de (Bild)