Kontaktlinsen bei Alterssichtigkeit

Wenn mit über 40 Jahren das Lesen in weite Ferne rückt, macht sich die Alterssichtigkeit (Presbyopie) bemerkbar. Augenlinse und der Ringmuskel des Auges verlieren ihre Elastizität, das Scharfstellen im Nah- und Zwischenbereich wird schwieriger. Im höheren Alter tragen aus diesem Grund 95 Prozent der Menschen Brille oder Kontaktlinsen.1 Irgendwann trifft die Presbyopie also jeden. Wir erklären wann Kontaktlinsen bei Alterssichtigkeit Sinn machen und welche Arten von Linsen es bei Presbyopie gibt.

Welche Kontaktlinsen gibt es bei Alterssichtigkeit?

Alterssichtige haben die Wahl zwischen formstabilen und weichen Kontaktlinsen und zwischen den folgenden verschiedenen Systemen der Korrektion. Welches das jeweils geeignete ist, wird gemeinsam mit einem auf Kontaktlinsen spezialisierten Augenoptiker bzw. Optometristen oder dem Augenarzt geklärt.

Das Prinzip der Monovision

Die Monovision nutzt Einstärkenlinsen. Das Prinzip: Auf jedes Auge kommt eine andere Linse – in das sogenannte "Führungsauge" meist eine für die Fernsicht, in das "Begleitauge" meist die für die Nahsicht. Das Sehzentrum im Gehirn wählt nun situationsbedingt das jeweils scharfe Bild für nah und fern aus. Sie ist die preiswerteste Korrektion der Alterssichtigkeit, bringt aber starke Einschränkungen für das räumliche Sehen und ist zum Autofahren nicht geeignet.

Modifizierte Monovision

Bei der modifizierten Monovision wird das Prinzip der Monovision mit Mehrstärkenlinsen angewendet. Dem "Führungsauge" wird eine Mehrstärkenlinse angepasst, die meist mehr auf die Ferne zugeschnitten ist, dem "Begleitauge" eine für die Nähe.

Mehrstärkenlinsen (Multifokallinsen)

Der Begriff sagt es schon: Mehrstärkenlinsen (Multifokallinsen) besitzen unterschiedlich starke Sehbereiche. Es wird unterschieden zwischen alternierenden Kontaktlinsen und Simultanlinsen.

Alternierende Kontaktlinsen

Es gibt zwei Arten von alternierenden Kontaktlinsen. Voraussetzung für beide ist, dass die Linsen auf dem Auge gut gleiten können müssen.

Die erste alternierende Kontaktlinsenart verfügt über einen scharf getrennten Nah- und Fernbereich: Wie die Gläser bei Bifokalbrillen sind beide Bereiche übereinander angeordnet – oben für die Fernsicht, unten für die Nahsicht. Es gibt keine Zwischenbereiche. Blickt man geradeaus, wird die Ferne scharf. Senkt man den Blick, schiebt sich die Linse nach oben und man schaut durch den Nahbereich.

Die zweite Art alternierender Kontaktlinsen ist kreisförmig, aufgebaut: Im Zentrum befindet sich der Fernteil, am Rand der Nahteil. Schaut man durch die Mitte, wird scharfes Sehen in der Ferne möglich. Die Nahsicht erfolgt mit dem Blick nach oben, unten oder seitlich. Hierbei dezentriert sich die Kontaktlinse, sodass sich die außen liegenden Nahzonen vor die Pupille schieben. Die Nähe wird scharf.

Simultanlinsen

Simultanlinsen haben mehrere von innen nach außen kreisförmig ineinander übergehende Sehstärken. Der Nahbereich kann in der Mitte oder außen liegen. Die Kontaktlinsenträger schauen gleichzeitig durch den Nah- und Fernbereich. Demzufolge werden auch gleichzeitig ein scharfes und ein unscharfes Bild auf die Netzhaut projiziert. Das Sehzentrum im Gehirn konzentriert sich auf das jeweils scharfe Bild und blendet das unscharfe aus.

Kombination Kontaktlinsen und Brille

Wer lange schon gut mit Kontaktlinsen für die Ferne unterwegs ist, kauft sich für die Nahsicht eine Lesebrille. Die Gewöhnung an neue Linsen entfällt ebenso wie der nervende Wechsel von zwei Brillen.

Quellen: Kuratorium Gutes Sehen e.V. (Text), pixabay.de (Foto)