Das könnte ins Auge gehen

Ohne dass wir groß darüber nachdenken, gehen Auge und Hand meist Hand-in-Hand, gemeint ist die Augen-Hand-Koordination. Der Mensch besitzt die grundlegende Fähigkeit, Dinge mit den Augen wahrzunehmen und dann mit den Händen zu greifen, zu lenken und zu „bearbeiten“. Denn durch die Augen wird die Umwelt aufgenommen und im Gehirn nachmodelliert. So wird dem Gehirn deutlich, wo der eigene Körper sich im Raum befindet und zwar sowohl im Ganzen als auch seine Gliedmaße wie z.B. die Hände. Und erst hierüber wird zielgerichtete Motorik möglich. Die Augen-Hand-Koordination ist also – so selbstverständlich wir sie annehmen – eine durchaus komplexe und anspruchsvolle Fähigkeit. Insbesondere im frühen Lernprozess ist sie von immenser Bedeutung, denn ohne eine geschickte Koordination wird es schwierig beim z.B. Schreiben, Fahrradfahren, Musizieren oder Sport treiben.

Gründe für eine gestörte Augen-Hand-Koordination können sowohl im visuellen als auch im motorischen Bereich liegen. Nachfolgend ein paar Beispiele:

VisuellMotorisch
SchielenMuskelhypotonie (Muskelschwäche)
FehlsichtigkeitGleichgewichtsprobleme
KreuzdominanzSchwache Koordinationsfähigkeit

Unter einer Kreuzdominanz versteht man folgendes:

Der Mensch ist nicht nur Links- oder Rechtshänder, sondern hat auch eine Seitigkeit z.B. im Sehen oder bei den Füßen. Trifft nun eine Rechtshändigkeit auf eine Linksseitigkeit im Sehen (Kreuzdominanz), wird es schwierig, da Sehen und Handmotorik nicht mehr in die gleiche Richtung zielen.

Treten bei einem Kind also Lernschwierigkeiten oder motorische Schwächen auf, sollte immer auch an die Augen gedacht werden. Denn wer die Lage der eigenen Hände im Raum oder im Verhältnis zu Dingen im Raum nicht richtig einschätzen kann, kann auch entsprechend nicht mit ihnen agieren.

Neben der spielerischen Unterstützung einer schwachen Augen-Hand-Koordination über z.B. Malen, Puzzeln, Motorikspiele, gibt es auch das Visualtraining. Denn „Richtiges“ Sehen entsteht erst durch die optimale Verbindung aller Seh-Teilbereiche (gemäß Skeffington):

  • Augenbewegung zur Orientierung im Raum („Wo bin ich?“)
  • Fixation zur Festlegung des Standortes der Dinge im Raum („Wo ist was?“)
  • Scharfstellung des anvisierten Einzelobjektes („Was ist es?“)
  • Visualisation, d.h. Detailanalyse mit allen Sinnen („Wie ist es?“)

Beim Visualtraining werden alle Teilbereiche analysiert und optimiert. Und dies führt dann zur Verbesserung der visuell-motorischen Fähigkeiten.

Dann kann ja hoffentlich kaum noch was ins Auge gehen!

(Quelle: visualtraining.info / Foto: pixabay.com)