Augen zu und durchgeschlafen!

Wach sein…

Um unsere Augen vor dem Austrocknen zu schützen, blinzeln wir in den wachen Stunden normalerweise bis zu 20-mal in 60 Sekunden. Jedes Blinzeln verteilt Tränenflüssigkeit übers Auge. Dieses unwillkürliche Schließen der Augenlider heißt Lidschlussreflex. Er verhindert auch das Eindringen von Fremdkörpern ins Auge.

Bei offenen Augen prasseln Bilder und Eindrücke auf uns ein – Abschalten fast unmöglich. Wenn wir die Augen schließen, stellen wir den Schalter für optische Reize auf „Aus“ und drücken mit der Verdunkelung den Ruhe- und Entspannungsknopf.

…und schlafen

Im Schlaf blinzeln wir nicht. Der Augenschutz funktioniert dann so: Augenlider herunterklappen, Hornhaut und der Rest des Augapfels sind sicher. So trocknen die Augen nicht aus, nichts Störendes und Verletzendes kann hineingelangen.

Um gut zu schlafen, benötigt der Körper das Hormon Melatonin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Es wird in der Zirbeldrüse, aber auch beispielsweise in der Netzhaut des Auges und im Darm bei Dunkelheit gebildet und ausgeschüttet. Lichteinfall hemmt die Produktion. Die Lichtrezeptoren in der Netzhaut des Auges fungieren quasi als Boten der Lichtnachricht an die Zirbeldrüse. Geschlossene Augen verhindern, dass die Melatonin-Bildung durch Licht gestört wird.

Nachts durchlaufen wir unterschiedliche Schlafphasen. Die REM-Phase, in der wir am meisten und am intensivsten träumen, ist unter anderem durch ausgeprägte Augenbewegungen gekennzeichnet. Dabei können sich die Augenlider etwas öffnen und sogar die Pupillen zu sehen sein.

Bei manchen Menschen schließt sich ein Augenlid nicht vollständig, selten sind sogar beide Augenlider betroffen. Mediziner sprechen vom Lagophthalmus. Zu den Ursachen zählen etwa eine Nervenlähmung oder Lähmungen, Fehlbildungen und Verletzungen der Augenmuskulatur. Folgen des nicht kompletten Lidschlusses: Fremdkörpergefühl im Auge, Augenbrennen, trockenes Auge oder gar Entzündungen. Behandelt wird meistens mit Augentropfen und Salben, in schwereren Fällen operativ oder bei Entzündungen mit Antibiotika.

Eher selten: Zu dicke Wimpern verhindern, dass sich die Augen vollständig schließen.

Jedem Tierchen sein Pläsirchen

Katze und Hund schlafen mit geschlossenen Augen. Sie haben ja bei Frauchen und Herrchen nichts zu befürchten. Ebenso machen Kuh, Schwein, Pferd und Kaninchen die Augen zu, wenn sie schlafen.

Doch unter den Tieren gibt es auch Augen-auf-Schläfer. Zum Beispiel Fische: Sie haben gar keine Augenlider; die brauchen sie nicht, weil das Wasser ihre Augen sowieso befeuchtet. Andere Tiere müssen in freier Natur aus Überlebensgründen immer „ein Auge riskieren“. Denn wer kann schon mit geschlossenen Augen auf der Hut sein vor gefräßigen Feinden oder den Tücken des Lebensraumes? Deshalb hat sich die Natur ein paar Tricks einfallen lassen.

Etwa beim Delfin: Der Meeressäuger schläft mit einem offenen Auge. Er schaltet nämlich nur eine Gehirnhälfte auf Schlummern. Wären beide inaktiv, würde seine Lungenatmung aussetzen – er würde ertrinken. Die wache Gehirnhälfte reguliert die Atmung, mit der wachen Körperhälfte schwimmt der Delfin. Genauso bleibt ein Auge offen – so behält der Delfin seine Umgebung im Blick und kann vor Gefahren fliehen. Einäugig schlafen auch andere Tiere wie Wale, Robben, Krokodile, Enten, Tauben, Hühner und andere Vögel.

Es gibt also verschiedene Schlaftypen: beide Augen offen, einäugig, beide Augen zu. Wir Menschen gehören zu den Augenschließern.

Quelle: seh-check.de